Las Vegas

19. September 2014

Vegas, Baby! Wir verließen Cedar City am Morgen und machten uns auf nach Las Vegas. Nach weiteren interessanten “Fun Facts mit Anna” waren wir alle sehr gespannt auf die Sin City im Silver State Nevada. Die Känguru-Chroniken von Mark-Uwe Kling versüßten uns die lange Fahrt und gegen Mittag kamen wir dann am gewaltigen Hoover Dam an.

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Aufgrund der vorherrschenden Hitze gestaltete sch unser Aufenthalt dort eher kurz und wir fuhren endlich am berühmten Eingangsschild vorbei nach Vegas ein. An der Hotelrezeption wurde uns erst einmal gesagt, dass unsere gebuchte Suite mit zwei Schlafzimmern im dritten Stock sei, wir aber gegen einen Aufpreis von 50 Dollar pro Nacht eine ähnliche Suite im 25. Stock haben könnten. Schnell waren wir uns einig, dass wir dieses Angebot annehmen sollten. In der Suite, die sich ganz am Ende eines Ganges befand, wurden wir dann mit einem super Ausblick auf den Strip und ein klein wenig Luxus belohnt: Riesige Flachbildfernseher in jedem Zimmer und im Wohnzimmer, kleinere Fernseher in den Bädern, flauschige Bademäntel und Hausschuhe, Whirlpool und riesengroße Dusche… Hier wollten wir gar nicht mehr weg.

Wir machten uns auf den Weg an den Pool und ließen uns dort im “Lazy River” treiben oder genossen die Wellen im Wellenbad. In unserem Hotel fand “One” von Cirque du Soleil, eine der zahlreichen in Vegas gezeigten Shows, statt. Die Tickets hierfür hatten wir bereits in Deutschland gebucht. Am Eingang zum Theater konnte man sich dann wie ein Star fühlen: Verkleidete Paparazzi schossen unzählige Fotos von jedem Gast. Wir holten uns überteuerte Getränke und überteuertes Popcorn, welches jedoch zu unser aller Entsetzen salzig war statt süß. Dies kam für uns insofern unerwartet, als dass wir schon mehrfach feststellen durften, wie sehr die Amerikaner Zucker zu lieben scheinen, denn alles, wirklich alles, ist hier süß: Brot, “Pretzeln” mit Karamell überzogen, Apfelstückchen mit Schokolade und Karamellsoße, Zucker mit Zucker usw. In der beeindruckenden Show konnten wir den Hits von Michael Jackson in einer Geschichte verpackt mit Akrobatik und Tänzen lauschen. Danach liefen wir noch etwas über den Strip und waren überwältigt von den zahlreichen hell erleuchteten Hotels und Casinos. Hier eine Pyramide, da eine Sphinx, auf der einen Straßenseite New York, auf der anderen Paris. Und überall Fußgängerbrücken, welche man nehmen muss, um über die Straße zu gelangen, welche aber auch direkt in die Casinos und Hotels führten. Durch diese zwangsweise zu nehmenden Umwege brauchte man länger als gedacht um von A nach B zu gelangen. Auf dem Rückweg trafen wir dann überraschenderweise auf einen ehemaligen Klassenkameraden von Alexander. Wie klein die Welt doch ist!

Am nächsten Morgen mussten mussten Alexander und ich früh raus, denn um 7:00 Uhr ging es los zum Skydiving! Zusammen mit vier Brasilianern, die wegen “Party” in Vegas waren, einem (einsamen) Chinesen und einem anscheinend eingefleischten Fallschirmspringer ging es mit dem Van Richtung Wüste. Nachdem ich schon zum fünften Mal das Wort “death” in dem zu unterschreibenden Dokument las, wurde mir langsam etwas mulmig. Angekommen, wurden wir unserem Instructor zugeteilt und sogleich in Overalls gesteckt (meiner meinte, er müsse bei “Kids size” suchen, verstehe ich gar nicht). Alexander sah in seinem grauen aus wie ein Stormtrooper aus Star Wars. 😉 Da die vier partywütigen Brasilianer anscheinend unbedingt zusammen springen wollten und noch ein weiterer Wagemutiger hinzugekommen war, wurden wir von unserer Position, als erste springen zu dürfen verdrängt und landeten schließlich als letzte in geplantem Flugzeug Nummer drei. So saßen wir fast zwei Stunden da und warteten, während ich immer aufgeregter wurde. Einer der Instructors murmelte jedes Mal, wenn er von einem Sprung zurück kam und an uns vorbei ging: “Oh man, that was close” (zu Deutsch: Das war aber knapp). Dann waren wir endlich an der Reihe. Zu viert stiegen wir in das Flugzeug und hoben ab. Ich war als erste dran und als mein Instruktor die Schiebetür des Flugzeugs öffnete und unsere Beine raushingen, hatte ich richtig Schiss. Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht: “Cross Arms! Head back” und los! 50 Sekunden freier Fall und mir stockte zuerst der Atem, bis mein Instruktor rief: “Screeeeam!”, was ich auch sogleich tat. Es gab einen Ruck und der Fallschirm öffnete und wir schwebten mehrere tausend Feet über dem Boden. In etwas weiterer Ferne sah ich wie sich auch bei Alexander und seinem Instruktor der Fallschirm öffnete. Wir drehten noch ein paar Runden, bis wir schließlich landeten, wo anschließend noch eine Überraschung auf mich warten sollte… Der Sprung war einfach Wahnsinn, ich würde es jederzeit wieder machen. Zu den Bildern und Videos geht es hier.

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Wieder zurück im Hotel, genossen wir noch ein bisschen die Poollandschaft bevor wir uns auf zu einem All-you-can-eat (and drink) Buffet machten. Endlich mal kein Fast Food! Dementsprechend gehoben war auch unsere Laune. Voller Übermut ob des guten Essens ließ ich sogleich auch den Suppendeckel in die Curry-Hähnchen-Suppe fallen und Alex meinte nur: “Geh weiter und tu so, als wäre nichts gewesen!”, ganz nach dem Motto: Lächeln und winken! Der für unseren Tisch zuständige Kellner Todd, ungefähr Ende vierzig mit Halbglatze und Brille aus anno dazumal, war wirklich sehr nett, klaute uns jedoch ständig unser Besteck, welches wir uns immer wieder neu erfragen mussten. Am Hummer-Buffet schaufelten sich die meisten Gäste die Teller voll und einer meinte zu mir: “That’s how you get your money back”. Die eh schon gehobene Laune verbesserte sich durch kostenlosen Wein und Sekt noch mehr und die Gespräche wurden immer abstruser und witziger (Beispiel: “Alex verträgt nicht viel.” “Was, Corden bleu?” “Nee, Alkohol.” “Ja, weil er Asiate ist.” “Dem fehlt ein Enzym!”). Alex war begeistert von den Pork Ribs, trotz des “Gelatine-Knochens” (er meinte wohl Knorpel), Anna empfahl uns einen kleinen Verdauungsspaziergang zur Obsttheke (“Wie weit bist du gekommen? Bis zur Ananas?” “Nee, pass auf, sie war am Strawberry Drive!”) und wir stießen auf Alex` schlechten Geschmackssinn und seine Adleraugen an. Nach zwei Stunden saßen wir immer noch da, die Tische um uns waren schon mit der dritten “Generation” an Gästen besetzt. Wir machten uns schließlich auf zum Nachtisch-Buffet, doch als wir an unseren Tisch zurück kehrten, fanden wir zur allgemeinen Erheiterung (auch der anderen Gäste) fehlende Gläser und einen Putzlappen vor. Der arme Todd dachte wir wären schon gegangen und hatte alles abgeräumt. Als er uns sah und seinen Fehler bemerkte, wurde er ganz rot und brachte jedem ein Glas Sekt und neue Getränke. Beim Gehen hinterließen wir ein (in unseren Augen) großzügiges Trinkgeld.

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Für den Rest des Abends wollten wir uns mit den zahlreichen Spielautomaten vertraut machen. DIe meisten waren bunt, laut und zogen einem das Geld aus der Tasche, wie sie funktionierten hatten wir nie verstanden. Anfangs noch zögerlich, packte uns jedoch schnell das Blackjack-Fieber. Da uns die Einsätze an den Tischen zu hoch waren, spielten wir mit anderen Mitstreitern gegen den Computer. “Lucky Al” durfte dann mal jedem am Arm reiben, um uns etwas von seinem Glück abzugeben. So gingen wir von Casino zu Casino (die jedoch eigentlich alle gleich aussahen) am Strip entlang. An der Seite eines Gehsteiges hatte sich eine Menschenmasse versammelt, so dass wir kurz stehen blieben, um zu schauen was es zu sehen gab. Leider waren wir zur falschen Zeit am falschen Ort, denn von drei jungen oberkörperfreien und muskelbepackten Männern wurden gerade Freiwillige gesucht und Alex zu einem auserkoren. Trotz seines waghalsigen Fluchtversuches und seiner verzweifelten “No!”-Rufe, erwischten sie ihn doch und er musste sich in die Mitte zu vier ebenfalls “freiwilligen” Damen gesellen. Nach viel Show und Gerede mussten sich die in einer Reihe stehenden Freiwilligen dann bücken und zur Belustigung der Zuschauer erhielt Alex von einem der Typen Streicheleinheiten im Nacken und einen Klaps auf den Hintern, bis schließlich ein weiterer Anlauf nahm und über die fünf gebückten Personen sprang. Das war’s dann auch schon gewesen mit der Show und wir gingen weiter zum berühmten Bellagio. Von hier aus machten wir uns auch wieder auf den Rückweg.

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Am nächsten Morgen checkten wir wehmütig aus und beschlossen noch ein bisschen Zeit am Blackjack-Computer zu verbringen, bis wir gegen Nachmittag schließlich weiter Richtung Westen fuhren. Insgesamt verließ Team “Al” mit 260 Dollar Gewinn Vegas und auch Team “A/M” konnte nicht klagen. Auf dem Weg zu unserem vorher gebuchten Motel kamen wir wieder an Wüste, Sand und Steinen und zahlreichen verlassenen Häusern bzw. Städten vorbei. Alex als Fahrer nutzte die Gunst der Stunde als alle schliefen und stellte den Radiosender von Pop auf “Classic Vinyl” um, genau seine Musik. 😉 Nach vier langen Stunden kamen wir endlich an und wurden von einem sehr freundlichen Hotelbesitzer begrüßt, dessen Büro aber aussah, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte: Computerbildschirme auf dem Boden, ein Aquarium ohne Fische, dafür aber gefüllt mit grünem Wasser und zahlreiche Ordner und Dokumente auf dem Boden. Das Zimmer war aber zum Glück ordentlich. 😉