Kulturelles Dreieck
In der Mitte der KulturDambulla
Dambulla bildete das Zentrum unseres Aufenthalts im “kulturellen Dreieck” Sri Lankas, das sich zwischen den Städten Kandy, Anuradhapura und Polonnaruwa erstreckt. Da wir Erstere bereits gesehen hatten und für Letztere nicht genug Zeit hatten, konzentrierten wir uns auf Dambulla und Anuradhapura.
Dambulla selbst hat wenig zu bieten, einzige (dafür aber äußerst bedeutende) Sehenswürdigkeit sind die Höhlentempel, fünf reichlich verzierte und mit allerlei Statuen ausgestattete Höhlen in einem riesigen Felsen, die nur durch einen sehr schweißtreibenden Aufstieg auf einen Berg zu erreichen sind.
(Fun Fact am Rande: bei Betreten von heiligen Stätten sind stets die Schuhe auszuziehen, angesichts der sehr heißen Steine sind dann Socken äußerst angebracht). Die Deckenmalereien in einer der Höhlen berichten aus dem Leben des Buddha, von dem in einer anderen Höhle nicht weniger als 60 Statuen versammelt sind.
Eine dieser Statuen zeigt ein bekanntes Motiv: den meditierenden Buddha, der durch eine riesige Kobra vor dem Regen geschützt wird. Die weiteren Statuen zeigen Buddha in verschiedenen Haltungen, wobei jede eine bestimmte symbolische Bedeutung (z.B. Friedensstifter oder Großzügigkeit) besitzt. Eine der Höhlen war fast vollständig durch einen liegenden Buddha ausgefüllt, der direkt in den Felsen gehauen wurde. Diese bei Darstellungen äußerst beliebte Haltung beschreibt die Lage vor dem Tod des Buddha und seines damit verbundenen Eintritts in das Nirwana.
Wie an vielen anderen Orten (und vor allem an Tempeln und heiligen Stätten; s.u.) wimmelte es nur so von Affen, die keine Scheu vor uns oder den anderen Touristen zeigten.
Von Aufstieg und Besichtigung geschafft, sollte es vor dem bevorstehenden frühen Aufstehen am nächsten Tag noch im hoteleigenen Restaurant zum sri-lankischen Buffet gehen. Dieses bot viele verschiedene vegetarische Currys, Rotis (Teigfladen), Hopper (Reisteigfladen) und natürlich Reis und gestaltete sich dank zahlreicher und überraschender Stromausfälle streckenweise zum “Dinner in the dark”. Unsere Tischnachbarn scheinen schon mindestens eine Nacht vor uns angereist zu sein, zumindest hatten sie sich Taschenlampen auf dem Tisch zurechtgelegt.
Pidurangala Rock
Um 4:30 brachte uns ein für den Tag “gemieteter” Fahrer zum Pidurangala Rock, einem riesigen Felsen in Sichtweite des gut 1km entfernt liegenden Sigiriya Rock, dem sogenannten Löwenfelsen mitsamt Kloster. Da dieser jedoch touristisch überlaufen, überteuert und gar nicht so schön sein soll, wollten wir den Sonnenaufgang eben auf Pidurangala erleben. Der Aufstieg im Stockdunklen erwies sich erneut als äußerst schweißtreibend und abenteuerlich. Dieses Mal verliefen wir uns sogar (fast) nicht! Als wir so gut wie am Ziel angekommen waren, verschwanden auf den letzten Metern die zuvor vorhandenen Stufen und vor uns erstreckte sich nur eine glatte Felswand. Ratlos suchten wir diese nach dem Weg ab, bis uns von über uns eine Stimme zurief: “Hi guys, do you need help?” Ein sehr hilfsbereiter dänischer Tourist leuchtete uns den Weg und erklärte uns, dass wir nun klettern müssten, um auf den Pidurangala Rock zu gelangen. Gesagt, getan. Nach waghalsigen Klettereien und ein paar Kratzern an Händen und Füßen waren wir endlich oben angekommen und wurden mit einem 360-Grad Ausblick und freie Sicht auf Sigiriya belohnt.
In Sri Lanka begegnet man immer wieder Streunern und sogar auf dem hoch gelegenen Felsen hatte es sich einer gemütlich gemacht. Er legte sich im Sonnenaufgang ganz friedlich zu uns und ich fand ihn echt niedlich. Gegen Tollwut waren wir beide geimpft, weshalb ich mir da schonmal keine Gedanken machte. Sobald wir unser Lunchpaket auspackten, horchte unser kleiner Begleiter auf und sah uns mit seinen großen braunen Hundeaugen so mitleidserregend an, dass wir ihm den Rest unseres Essens übrig ließen. Das war keine so gute Idee, denn nun war der Kleine wach und munter und wollte spielen. Hierfür hatte er sich meinen wehenden Rock und meine leuchtend blauen Schnürsenkel ausgesucht. Nur mit Bestechungsversuchen (ein weiterer Teil unseres Proviantes musste daran glauben) gelang es uns schließlich, vor ihm zu flüchten.
Auch die scheinbar überall vorhandenen Affen hatten in den Bäumen auf dem Felsen ihr Lager aufgeschlagen und marschierten furchtlos vor uns umher. Sicherheitshalber packten wir alles, was geklaut werden könnte, außer Reichweite, gelten die kleinen Frechdachse doch als diebische Zeitgenossen.
Nach Sonnenaufgang, Frühstück auf dem Berg und einem kleinen “Fotoshooting” auf dem Felsen machten wir uns auch schon wieder an den Abstieg. Währenddessen begegneten uns zahlreiche weitere keuchende und stöhnende Touristen, die uns an uns am Morgen erinnerten und denen wir deshalb Mut machten, dass es nicht mehr weit bis zum Ziel sei.
Anuradhapura
Als nächstes stand eine Fahrt nach Anuradhapura an, der ersten Hauptstadt Sri Lankas. Von dieser sind heute nur noch Ruinen übrig, die sich über eine Fläche von 50qkm verteilen und als Ruinenstadt zum Weltkulturerbe gehören. Mit den ganzen archäologischen Bauwerken und Ausgrabungen fühlte man sich fast wie auf dem Forum Romanum in Rom.
Isurumuniya Vihara
Erste Station auf unserer Fahrt durch das Gelände war das Felsenkloster Isurumuniya, welches ursprünglich nur aus der in einen Felsen hineingebauten Einsiedlerhöhle bestand, mittlerweile jedoch auch ein kleines Museum mit künstlerischen Reliefs beherbergt. Sehenswert ist auch das Relief im Felsen “Mann mit Pferd” aus dem 7. Jahrhundert (s. Foto). Dank Ann-Christins “Resident Visum” (s. Beitrag Colombo) musste sie hierfür nicht einmal Eintritt bezahlen. So haben sich die dafür in Kauf genommenen Strapazen wenigstens etwas ausgezahlt. 😉
Sri Maha Bodhi
Mit die wichtigste Stätte ist der heilige Bodhi-Baum, der vor über 2000 Jahren aus einer Wurzel des Baumes in Indien gepflanzt wurde, unter dem Buddha Shakyamuni zur Erleuchtung fand. Da der Baum seit seiner Pflanzung ständig bewacht wurde, gilt er als der älteste Baum der Welt. Von mehreren Gittern und Zäunen umgeben ist seine wahre Größe nur zu erahnen. Neben uns und anderen Touristen waren viele einheimische Gläubige vor Ort, die Blüten und Reis als Gaben mitgebracht hatten. Wir taten es ihnen gleich und legten eine Blüte zu den vielen anderen auf den Gabentisch, die wir vor Betreten der heiligen Stätte von einem Einheimischen geschenkt bekommen hatten. Ja, tatsächlich geschenkt und er wollte kein Geld dafür haben! Das war mal eine ganz neue Erfahrung für uns.
Dagobas
In der gesamten Stadt (sowie generell in ganz Sri Lanka) finden sich sogenannte Dagobas (wer sich an den Yoda Lake erinnert, wird wohl davon ausgehen müssen, dass George Lucas für seine Star Wars Saga auf Sri Lanka einige Inspirationen hatte – heißt doch das selbst gewählte Exil des kleinen grünen Jedi-Meisters ebenfalls “Dagoba”). Eine Dagoba ist ein rundes Gebäude von sehr unterschiedlicher Größe, das oft irgendeine Art von religiösem Schatz enthält. Sie besteht aus einer Terrassenbasis mit darauf befindlicher Kuppel und einer Spitze und ist in der Regel nicht begehbar.
Es gibt verschiedene Formen von Dagobas, wobei die Glockenform die auf Sri Lanka häufigste ist. Eine Dagoba dient der Verehrung Buddhas, der auf die Frage nach einem hierfür geeigneten Gebäude antwortete: “Baut Häufchen aus Sand, wie Reis, den ein jeder braucht.”
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Mondsteine
Bei vielen der besuchten Ruinen und auch an der Einfriedung des Bodhi-Baums fanden wir halbrunde Ornamentsteine auf dem Boden, sogenannte Mondsteine. Diese markieren den Übertritt von der materiellen in die spirituelle Welt und befinden sich meist am Anfang einer Treppe oder an der Schwelle einer Tür.
So, das war erstmal genug Kultur und Geschichte. Vielleicht fandet ihr es ja ganz interessant und ein großes Plus: Ihr musstet nicht so schwitzen wie wir! (Die Farbe von Alexanders T-Shirt war zu Beginn der Besichtigung noch ein zartes mintgrün, danach hatte es die Farbe von dunklem Moos im Wald…)



Welch ein Abenteuer
Bin geflasht
Sehr interessant – da hab ich wieder was gelernt 😀
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