Eindrücke aus dem Krankenhaus
(von Lena)Nach einem zweitägigen “Kampf” um die Verlängerung unseres Visums (Anki -oder hier liebevoll Ann genannt – berichtete), begaben wir uns nun wieder in das Krankenhaus.
Da wir ja schon in die großen OP-Säle hingeschnuppert hatten, entschieden wir uns am Mittwoch nochmal unser Glück im “Mini-OP” zu versuchen (Dieser wurde uns nämlich von einer Kommilitonin, welche bereits eine Famulatur hier absolviert hatte, wärmstens empfohlen). Dort wurden wir gleich herzlich empfangen und in den Saal gelotst (Hier schien uns niemand für “tourists in white Coats” zu halten). Auch der hier tätige Chirurg war – ganz im Gegensatz zum Chefarzt – sichtlich bemüht uns alle unsere Fragen zu beantworten.
Im Mini-OP finden hier alle Eingriffe statt, die in Regionalanästhesie (also in örtlicher Betäubung) durchgeführt werden. Zu diesen zählen hier neben zahlreichen Abszessspaltungen sogar Biopsieentnahmen aus der Brust sowie Karpaltunneloperationen. In Deutschland wäre es wohl unvorstellbar letztere nur in regionaler Anästhesie durchzuführen! Hier schien es den Patienten jedoch nicht zu stören bei vollem Bewusstsein zu sein und er wagte sogar gelegentlich einen Blick auf seine offene Hand und verfolgte die Schnitte des Operateurs mit einem Lächeln auf den Lippen (die Menschen scheinen hier in jeder Situation zu lächeln). Nachdem der Chirurg seine Arbeit am jeweiligen Patienten beendet hatte, wurden diese immer ziemlich hektisch von einem Krankenpfleger angewiesen vom OP-Tisch aufzustehen, um Platz für den nächsten Patienten zu machen und nach Hause zu gehen.
Wenn das auf dem Tisch liegende OP-Tuch bei dem Eingriff beschmutzt wurde, wurde dieses in Sekundenschnelle einfach gewendet und der nächste Patient, der bereits im Saal hinter einem Vorhang die OP des vorherigen Patients miterleben konnte, auf den Tisch dirigiert. Die Handschuhe des Operateurs sowie das OP-Besteck schienen hingegen jedoch steril zu sein.
Uns sprang vor allem die hübsche Schwesternkleidung bestehend aus blaugestreiftem Kleid mit weißer Schürze und weißen Hauben, welche an frühere Jahrhunderte erinnerte, ins Auge. Doch sind die meisten Schwestern hier eher fotoscheu, weshalb wir euch leider kein Bild davon zeigen können. Auch die Ärzte und Ärztinnen erscheinen stets gut gekleidet in Anzug und Kleid oder Rock zur Arbeit, sodass wir uns ihrem Kleidungsstil anpassten (siehe Fotos). Kittel und Stationskleidung, wie bei uns üblich, sucht man hier vergebens. Die einzigen, die hier Kittel tragen müssen, sind die ausländischen Studenten, damit wir auch als solche erkannt werden (ihr wisst ja: Touristen und so. ;)).
An einem anderen Tag stand die Notaufnahme auf unserem Stundenplan. So gesellten wir uns zu einer rasanten Chefarztvisite. Wenn wir vorher dachten in Deutschland hätten die Ärzte wenig Zeit für ihre Patienten, so wurden wir eines Besseren belehrt, was wenig Zeit wirklich bedeutete: 2 Sekunden pro Patient, wenn der Chef schnell war; 20 Sekunden bei schwierigeren Patienten. Die fitteren/ ambulanten Patienten standen vor einem Patientenbett Schlange, auf das sie sich nacheinander zur Visite niederließen (obwohl hier von niederlassen eigentlich nicht die Rede sein kann, da sie nach Berühren des Bettes eigentlich sofort angewiesen wurden, wieder aufzustehen und für den nächsten Platz zu machen). Kinder und bettlägerige Patienten wurden hingegen im “eigenen” Bett liegend visitiert, wobei sich bei den Kindern bis zu 3 Personen ein Bett teilten. Hinter dem sehr leise sprechenden und somit kaum zu verstehende Chefarzt liefen zwei Schwestern und drei (unserer Meinung nach) Assistenzärzte mit, von denen einer den Kürzeren gezogen hatte, und alles Wichtige, was der Chefarzt anordnete, in Rekordzeit der “Akte” notieren musste. Die Patientenakten gestalten sich übrigens wie folgt: Es gibt einen gelben Schnellhefter, in den lose Blätter eingelegt werden, auf welche wiederum alles (Vitalwerte, Diagnosen, Anordnungen) geschrieben steht. Gab es mal etwas Interessantes auf den Röntgenbildern zu sehen, drückte der Chefarzt uns diese in die Hand, und verschwand sofort zum nächsten Patientenbett. Wir hatten somit ein paar wenige Sekunden Zeit, uns die Bilder anzusehen und dann hinterher zu eilen. Circa 20 Minuten und 120 Patienten später, brauchten wir erstmal eine Verschnaufpause im “Innenhof” des Krankenhauses.
Fazit: Gut ausgebildetes Personal und moderne Operationsinstrumente bei für die Patientenmenge mangelnder Zeit und Platz sowie stark eingeschränkte Desinfektionsmöglichkeiten.
Gerne hätten wir euch Bilder von der Situation auf Station gezeigt, allerdings hielten wir das nicht für angemessen, dann wären wir wirklich “Touristen in weißen Kitteln” gewesen. Deshalb haben wir ein paar Fotos des Krankenhausgeländes und von uns gemacht. 😉
tres chic die jungen Damen 🙂
….und sehr interessante Eindrücke aus dem Krankenhausalltag, teilweise unvorstellbar für unsere Verhältnisse….
Ja, das stimmt.
Von Mama Claudia hab ich den Link zu diesem Blog bekommen. Toll, was ihr in euren jungen Leben schon alles erleben könnt. Die Berichte sind wunderbar geschrieben und die meisten Fotos richtig professionell. Klasse! Ich freue mich schon auf weitere interessante und kurzweilige Geschichten von euch und wünsche euch noch viele unvergessliche Eindrücke und Erlebnisse.
Vielen Dank, das freut mich ?
Interessanter Einblick in den Klinikalltag. Eben anders als in Deutschland aber mit dem gleichen Ziel, den Menschen zu helfen. Man lernt zu schätzen was man hat.
Genau.
Dem Kommentar von Oma Sonja kann ich mich nur anschließen.