2017: Odyssee in Colombo

(nicht im Weltall ;))

Ein 90-Tage-Visum, welches gar keines ist

Um die vollen 8 Wochen in Sri Lanka bleiben zu dürfen, braucht man ein entsprechendes Visum. Bereits im Vorfeld unserer Reise hatten wir versucht uns dahingehend schlau zu machen, stießen aber im Internet auf widersprüchliche und teilweise unverständliche Aussagen. Wir beantragten schließlich ein 90 Tage gültiges Business-Visum und glaubten uns damit auf der sicheren Seite. Doch etwa einen Monat vor Reisebeginn erhielten wir eine E-Mail der Universität von Ruhuna, dass unser Studentenvisum für 30 Tage nun bei der deutschen Botschaft beantragt worden sei. Die Verwirrung war groß und als unsere Reisepässe wenig später wieder in unseren Briefkästen lagen, stellten wir enttäuscht fest, dass uns zwar Einreise und Aufenthalt gewährt werden, dies aber nur für 30 Tage. Was wir aus diversen Erfahrungsberichten schon erahnt hatten, wurde somit leider wahr: Um das Visum zu verlängern muss man in die Hauptstadt Colombo fahren und sich einem zeitraubenden Behördengang stellen.

“Busfahrt” mit Hindernissen

Da wir besagten Behördengang schnell hinter uns bringen wollten, entschieden wir uns dazu, ihn schnellstmöglich anzutreten. Beim Dekan der Universität mussten wir bereits bei unserer Ankunft einen Haufen Formulare ausfüllen und bekamen im Gegenzug ein Empfehlungsschreiben ausgestellt, welches besagte, dass wir tatsächlich für 8 Wochen im Krankenhaus eingeteilt sind und deshalb das Visum benötigen.

Wir machten uns in aller Frühe auf den Weg, sprich 5 Uhr morgens aufstehen, sodass wir um 6 Uhr den AC Highway Express Bus nehmen konnten, der in nur 1,5 Stunden nach Maharagama (bei Colombo) fahren sollte. Doch als uns unser Tuk-Tuk am Busbahnhof in Galle ablieferte, stellten wir entsetzt fest, dass die Schlange für besagten Bus so lang war, dass mindestens fünf dieser Busse hätten gefüllt werden können. Kurzerhand entschieden wir uns um und nahmen den Zug, der zur gleichen Zeit im Nebengebäude abfahren sollte. Die Züge bestehen aus Abteilen für erste, zweite und dritte Klasse, wir erhielten zwei für die zweite Klasse, allerdings ohne Sitzplätze, denn dafür waren wir schon zu spät dran. Und schon sollte losgehen, wir hatten einen Stehplatz vor der unverschlossenen Tür des Zuges und dieser setzte sich ruckelnd in Bewegung. Ein kühle Brise umwehte unsere Beine und wir fuhren dem Sonnenaufgang entgegen, was schon ziemlich romantisch und kitschig und wunderschön anmutete. Nach etwas weniger als einer Stunde war es aber auch schon vorbei mit der Romantik. Der Zug füllte sich an jeder Haltestelle etwas mehr und so etwas wie “voll” scheinen die Sri Lanker nicht zu kennen. Die Menschen pressten sich in die Abteile, sodass die Luft zum Atmen knapp wurde. Es wurde so eng, dass man dem Gegenüber quasi an der Schulter bzw in meinem Falle am Rücken klebte. Wenigstens konnte man so nicht umfallen. Man hätte Hände an diversen Körperteilen, ohne zu wissen ob dies nun absichtlich oder unabsichtlich geschah. Man konnte die Schweißtropfen am Nacken des Nachbarn herunterrinnen sehen. Als wirklich jeder Millimeter des Abteils gefüllt war, hängten sich die Zusteigenden kurzerhand außen an die Türen ran und fuhren so im wehenden Wind mit. Nach 2,5 Stunden erreichten wir endlich unser Ziel Colombo und atmeten erst einmal tief ein. So eine schlimme Zugfahrt hatten wir beide noch nie erlebt. Wie musste es denn dann erst in der dritten Klasse ausgesehen haben, wenn bereits die zweite so extrem überfüllt gewesen war?

 

Ein mit Abwesenheit glänzendes Formular

Mit dem Tuk-Tuk fuhren wir vom Bahnhof zunächst zum “Ministry of higher Education”, welches irgendetwas bestätigen sollte. Was und wieso genau, wussten wir allerdings selber nicht. Wir wussten nur von Emily und Phil, dass wir mit unseren Unterlagen dorthin fahren müssen, bevor wir zum “Visa Office” gehen können. Stolz, dass wir bereits gegen 9:00 Uhr dort waren, überreichten wir also all unsere Unterlagen einer netten Mitarbeiterin. Diese sah uns jedoch verwirrt in unsere freudestrahlenden Gesichter und fragte, wo denn das “Application Form” sei. Wir deuteten auf unsere Formulare und meinten, das wäre alles, was wir bekommen hätten. Bedauernd schüttelte sie nun den Kopf und erklärte uns, sie bräuchte ein vierseitiges vom Dekan und diversen anderen Stellen unterzeichnetes Formular. Lena und ich wussten leider ganz genau, von welchem Formular sie sprach, hatten wir ebendieses doch vor einer Woche erst ausgefüllt und auf Anweisung der Sekretärin weder abgegeben. Auf unsere drei Tage später erfolgte Nachfrage, ob wir noch etwas wieder bekommen würde, hatte diese nur entnervt den Kopf geschüttelt. Kurze mentale Notiz an uns: Immer drei mal nachfragen, selbst wenn man eine Antwort bekommt, heißt das nicht, dass man auch verstanden wurde!

Wir waren nun ziemlich ratlos und die nette Mitarbeiterin gab uns zu verstehen, sie würde versuchen den Dekan bzw. seine Sekretärin zu erreichen und fragen, ob unsere Formulare zu ihr gefaxt werden könnten. Dies könne aber eine Weile dauern.

Also setzten wir uns in eine Art Shopping-Center mit Food Court, was um die Ecke gegen war, und gönnten uns auf den Schreck erstmal frischen Fruchtsaft und Kuchen.

Die Odyssee geht weiter

Nach ca. 1,5 Stunden erhielten wir von der Mitarbeiterin des Ministry of higher Education einen Anruf, gingen also wieder zurück und dachten schon, es sei nun alles geklärt. Doch leider wurden unsere Hoffnungen nicht erfüllt, denn die Sekretärin hätte wohl nur gesagt, sie könne das nicht machen. Die Mitarbeiterin gab uns den Rat, selber dort anzurufen. Gesagt, getan. Nach etlichen Versuchen erreichten wir die „gute Dame“ dann schließlich, diese verband uns jedoch einfach weiter, mit jemandem, der wiederum keine Ahnung hatte, was wir eigentlich von ihm wollten. Nach mehrmaligem Auflegen und Wiederanrufen unsererseits, kam bei weiteren Versuchen nur noch das Besetztzeichen, ein unmissverständliches Signal dafür, dass weitere Anrufe unsererseits nicht erwünscht zu sein schienen. (Wir hatten vor einer Woche schon bemerkt, dass die Sekretärin, wenn sie überfordert zu sein schien, einfach den Hörer neben das Telefon ablegte).

Ratlos saßen wir also im unklimatisierten Vorraum des Büros und wussten nicht weiter. Da kam Lena der Geistesblitz, die Besitzerin unseres Guesthouses, Menik, anzurufen, denn diese ist Professorin (für Pharmakologie) an der Universität. Wir erreichten sie auch sofort und erklärten schnell das Problem, woraufhin Menik eine halbe Stunde später unsere Formulare tatsächlich an das Ministerium faxte. Diese mussten nun noch weiter unterzeichnet werden, aber 13:00 Uhr hatten wir sie endlich in der Hand. In Windeseile schnappten wir uns das nächste Tuk-Tuk, welches uns zum „Department of Immigration and Emigration“ brachte. Schnell sprinteten wir hinein und in den vierten Stock, den Counter, an dem man seine „Token Number“, eine Art Nummer für die Warteschleife bekam, erreichten wir 13:36 Uhr. Hier hatten es auf einmal alle sehr eilig und niemand konnte uns weiterhelfen. Schnell fanden wir auch heraus wieso: Dieser Counter schließt täglich um 13:30 Uhr. Wir versuchten trotzdem unser Glück am nächsten Schalter, doch ohne Token Number wollte uns niemand weiter anhören. Entsetzt stellen wir fest, dass es das nun war und wir wohl oder übel wieder nach Hause fahren und am nächsten Tag nochmal kommen werden mussten.

(Bei Klick auf die Bilder etc… ;))

Eine kleine Sightseeing-Tour

Um nicht völlig umsonst die Strecke gefahren zu sein, beschlossen wir, uns das Colombo Fort anzusehen. Allerdings stellten wir fest, dass es alles andere als sehenswert war und konnten die Empfehlungen im Reiseführer nicht wirklich teilen. Auch das groß angepriesene ehemalige „Dutch Hospital“ mit „zahlreichen“ Cafés, Restaurants und Shoppingmöglichkeiten war eher enttäuschend. Etwas Gutes hatte es aber: Ich fand eine neue Tasche (und von Taschen kann man bekanntlich nie zu viel haben). Nach einem kleinen Imbiss machten wir uns mit dem Zug auf nach Maharagama, wo wir dieses Mal wirklich den Highway Express Bus nehmen konnten und am Abend dann wieder in Galle ankamen. Todmüde fielen wir ins Bett und stellten unseren Wecker ein zweites Mal auf 5:00 Uhr morgens…

 

 

Ein nächster Tag in der Millionenstadt Colombo oder auch How to get our Residence Visa 2.0 (von Lena)

 

 

Dienstag, 5 am: Erneut reißt uns der Wecker aus unseren Träumen. Schnell etwas Reiseproviant eingepackt und mit dem Tuk-Tuk zum Busbahnhof nach Galle, in der Hoffnung heute einen von den klimatisierten Highwaybussen zu bekommen. Gesagt, getan (es stand wirklich kaum jemand an heute) und nach circa 1,5-stündiger Fahrt in eiserner Kälte (die Klimaanlage war scheinbar auf Maximum aufgedreht) erreichten wir die nahe an Colombo gelegene Stadt Maharagama. Beim Organisieren eines Tuk-Tuks (Tipp für alle Sri-Lanka-Reisenden: nur mit Taximeter fahren und auf der Karte beobachten, dass auch kein Umweg gefahren wird) was uns zum Department of Immigration and Emigration bringen sollte, wurden wir von einer russischen Onlinelehrerin angesprochen, die das gleiche Ziel hatte. Also schwangen wir uns zu Dritt in die Motorrikscha. Auf dem Weg erzählte uns die Lehrerin, dass sie seit 6 Monaten in Sri Lanka mit ihrer Familie ein Haus gemietet habe, am liebsten im Land bleiben würde und der Behörde mittlerweile ihre Flugunterlagen vorlegen müsse, da diese die Befürchtung habe, dass die Familie das Land wirklich nicht mehr verließe.

 

Angekommen in der Botschaft, bekamen wir nun endlich den kleinen Zettel mit unserer Nummer darauf ausgehändigt, an dem es am Vortag gescheitert war. Danach hieß es für uns erstmal: warten! Warten auf die Absegnung unserer Formulare, warten auf die Bezahlung des Residence Visums, warten auf unsere Pässe mit eingeklebtem Visum! Und das alles in einer viel zu klimatisierten Halle (irgendwie scheinen die Einheimischen ein anderes Gefühl von Kälte und Wärme zu haben, als wir Deutschen). Wir beiden Frostbeulen zitterten um die Wette, bis uns sogar eine weitere Wartende ihre Jacke anbot, die wir dankend annahmen.

Nach 5-maligem Aufspringen und freudestrahlend zum Schalter Rennen, weil wir fälschlicherweise dachten unsere Nummer gehört zu haben, war es dann nach circa 4 Stunden endlich so weit und wir konnten das Department überglücklich und erleichtert mit unserem Visum in der Hand verlassen.

Nach einer kurzen Stärkung im angrenzenden Food Court fuhren wir mit einem sehr netten älteren Tuk-Tuk Fahrer, der sehr interessiert an unserem Aufenthalt in Sri Lanka erschien und geschockt war, dass wir ohne Begleitung unserer Eltern hier wären (er hielt uns für 15 Jahre alt wie sich später herausstellte). Noch ungläubiger wurde sein Gesichtsausdruck, als ich ihm erzählte, dass Anki bereits verheiratet sei. Eigentlich wollten wir nur zum Hauptbahnhof in Colombo, doch um uns etwas von Colombo zu zeigen, fuhr der ältere Mann einen Umweg am Hafen und einer Straßen-Kunstaustellung vorbei, bei der er sich unglaublich freute ein Bild von Jesus Christus zu entdecken und uns zeigen zu können (er ging davon aus, dass wir Christen sind).

Am Bahnhof angekommen, wurden wir von einem Passanten angesprochen, ob wir Zwillinge seien, da wir so gleich aussehen würden. Da wir selbst uns doch selbst optisch eher als ziemlich verschieden empfinden, mussten wir ziemlich über die Bemerkung lachen und nehmen an, dass Hellhäutige wohl in den Augen der Sri Lanker alle ziemlich gleich aussehen müssen.

Am Bahnhof wollten wir schonmal Tickets für die beliebte Zugstrecke Colombo – Kandy – Ella ergattern, da diese landschaftlich atemberaubend schön und schon Tage im Voraus ausverkauft sein soll. Da wir diese Zugfahrt jeweils mit unseren Jungs erleben wollen, versuchten wir Tickets für den April zu bekommen. Doch auch dies gestaltete sich schwieriger als erwartet, da das Sri Lankanische Neujahrsfest auf Ankis und Alex Wunschdatum fällt. Nachdem wir uns jedoch mit den angebotenen Tickets zufrieden gaben, machte wir uns auf den Weg mit dem öffentlichen Bus durch die verstopften Straßen Colombos nach Maharagama, um von dort aus mit dem Highwaybus wieder zurück nach Galle zu kommen.